FAQ

 

Grundsatz 1: Falls Sie einen Indikator nicht mit der Note 4 erfüllen, wenden Sie sich bitte an die Zertifizierungsstelle. Wir beurteilen die Indikatoren im Sinne des Gesamtbildes und der Verhältnismässigkeit im möglichen Interpretationsspielraum von SNBS.

 

Grundsatz 2: Falls ein Gebäude wegen einer ungenügenden Note nicht zertifiziert werden kann, ist es möglich, eine Konformitätsbescheinigung (in Form eines Briefes, aber nicht Zertifikats) auszustellen und die Bewertung aller Indikatoren aufzuführen.

 

Grundsatz 3: Die Zertifizierungsstelle empfiehlt, bei fortgeschrittenen Bauprojekten eine Vorprüfung der kritischen Indikatoren durchzuführen. Damit erhalten Sie mit wenig Aufwand eine Entscheidungsgrundlage, ob das Projekt zertifizierbar ist.

 

GENERELL : Wie geht SNBS mit der Situation um, wo auf der Basis der behördlichen Vorgaben SNBS nicht erreicht werden kann?

Grundsätzlich ist es nicht zwingend, dass die Behörden eine nachhaltige Lösung fordern.

Die Fälle müssen individuell geprüft und gegebenenfalls mit den Behörden diskutiert werden.

In den meisten Fällen können nicht erfüllte Messgrössen mit der Erfüllung weiterer Messgrössen im Indikator kompensiert werden (z.B. Anzahl PP -> Mobilitätskonzept und Veloabstellplätze)

 

GENERELL : Wie müssen die diversen Konzepte aussehen? Könnte man Beispiele aufschalten für:

 

  • Lüftungskonzept
  • Betriebskonzept
  • Monitoring­-Konzept
  • Etc.

 

Frage 1: Die Wahl der Konzepte hängt vom Projekt ab:

  • Grösse des Objekts
  • Komplexität des Objekts (Anzahl Nutzungen)
  • Technisierungsgrad des Objekts (Ausmass an HLK-Technik)
  • Individuelle Zielsetzungen

Frage 2: SNBS gibt keine Lösungen vor. Wir empfehlen, vergleichbare Beispiele zu besichtigen. 

 

Zertifizierungsregeln: Fliessen die Bewertung, welche nur in KP2 gemacht werden,
auch in das Resultat von KP1 ein?

 

Ja. Wenn eine Messgrösse nur bei KP2 geprüft und der Wert eingetragen wird, so fliesst er in die Resultate von KP 1 ein.

 

102.2 Partizipation: Der Indikator beschränkt sich auf die Partiziation nach aussen, d.h. die Verhinderung von Einsprachen. Wo ist die Partizipation nach innen geregelt, d.h. die Einbindung der Nutzerinteressen?

Die Einbindung von Nutzerinteressen in die Projektentwicklung wird in diversen Indikatoren abgehandelt:

 

  • 104.1 Angebot halböffentliche Innenräume
  • 104.2 Angebot halböffentliche Aussenräume
  • 105.2 Gebrauchsqualität
  • 207.1 Nachfrage und Nutzungsangebot

 

103.1 Nutzungsdichte: Wird der Schlüssel zur Ermittlung der Nutzungsdichte auf besondere Wohnformen (z.B. Alterswohnen) bezogen? Wäre ein pauschalisierter Faktor sinnvoll?

In der Praxis werden die Rahmenbedingungen beispielsweise für Alterswohnungen entsprechend berücksichtigt. Zentral ist, dass der Bauherr seine Bemühungen nachweist, sparsame Grundrisse zu realisieren. Ein pauschalisierter Faktor wäre zufällig, würde den spezifischen Wohnformen nicht gerecht und deshalb schwer begründbar.

 

103.1 Nutzungsdichte: Im Tool fällt die Eingabe in den Objektangaben, wo das Mietersegment eingestellt wird, raus.

Das technische Problem ist bekannt und sollte mittlerweile behoben sein. Es hängt auch mit den individuellen Sicherheitsbestimmungen und Einstellungen der Geräte zusammen.

 

105.2 Gebrauchsqualität: Es fehlen präzise Angaben wie «Es gibt Abstellmöglichkeiten in Nebenräumen (z.B. Reduit)»

Der SNBS definiert keine pauschalen Vorgaben, sondern misst die Gebrauchsqualität an den Zielgruppen im Projekt. Die Zielgruppen stellen unterschiedliche Anforderungen.

 

107.1 Luftqualität: Wie wird mit den räumlich sehr groben Werten

der Feinstaubbelastung umgegangen, besteht eine Flexibilität in der Beurteilung?

Ja, es besteht diese Flexibilität. Bei der natürlichen Lüftung wird für die Beurteilung der Zuluftqualität der Feinstaubgehalt der Aussenluft herangezogen. In der Beurteilung wird auch der Mikrostandort berücksichtigt, der sich nicht zwingend in den groben Messungen wiederspiegelt.

 

107.1 Luftqualität: Die Feinstaubbelastung in der Gegend des Gebäudes beträgt gemäss Karte 22.5, d.h. in der Kategorie 21-25. Damit müssen geschlossene Fenster und folglich eine mechanische Lüftung eingebaut werden. Nun ist das Haus auf der einen Seite auf eine starkbefahrene Quartierstrasse ausgerichtet und auf der anderen Seite auf einen ruhigen Park oder Grünbereich mit Hauptwindrichtung zu dieser Fensterfront. Gibt es eine andere Lösung, welche SNBS-tauglich wäre?

 

Wenn ein Lüftungskonzept so ausgestaltet ist, dass die Luft von der Park-Seite angesogen und dann in der Wohnung bedarfsgerecht verteilt wird (über Türschlitze/-Ventilatoren), dann würden wir eine solche Lösung um eine Einstufung erhöhen (analog 18-20). Dabei sind die Fenster auf der Strassenseite mindestens mit abziehbaren Schlüsseln auszurüsten oder ganz zu schliessen.

 

107.1 Luftqualität: Die Messgrössen bei der alten und neuen Version sind unterschiedlich: Wie erfolgt die Notengebung, wenn man nach wir mit dem alten Hilfstool arbeitet.

Da sich der methodische Ansatz grundsätzlich unterscheidet, sind die Noten nicht übertragbar. Relevant ist daher das Total. Die einzelnen Messgrössen können beliebig bewertet werden, die Summe im Tool muss allerdings identisch sein.

 

107.2 Ionisierende und nicht ionisierende Strahlungen: Ist eine Radonmessung auch dann zwingend, wenn das Gebäude gemäss Radonkarte nicht auf stark exponiertem Grund steht?

 

Nein, sofern nachgewiesen werden kann, dass mittels geeigneter Massnahmen die Strahlungen minimiert werden können.

 

107.2 Ionisierende und nicht ionisierende Strahlungen: Ist die Radonmessung wie bei Minergie-ECO zwingend? Können die Punkte bei unkritischer Umgebung angerechnet werden?

 

Nein, die Messung ist freiwillig. Punkte sind nur anrechenbar, wenn die Messung durchgeführt wird. Dies gilt auch bei unkritischen Gebieten.

 

108.1 Sommerlicher Wärmeschutz: Werden Dachfenster mit dem Tool zur Beurteilung des sommerlichen Wärmeschutzes benachteiligt, obwohl sie zu einem besseren Wohlbefinden im Haus beitragen können?

 

Das Hilfstool, welches Bezug auf die Dachfenster nimmt, kommt nur bei den Varianten 1 und 2 (gem. SIA 180, Ziff. 5.2.2) zur Anwendung. Bei einem Nachweis mit Variante 3 sind also theoretisch beliebig grosse Dachflächenfenster möglich. Damit besteht auch keine Benachteiligung von solchen Elementen. Es ist durchaus sinnvoll, bei grossflächigen Dachflächenfenstern eine Simulationsberechnung durchzuführen, da durch diese Flächen viel Energie in den Raum gelangen kann. Es ist allerdings zu erwähnen, dass auch die Norm SIA 180 bei den Verfahren 1 und 2 den Glasanteil der Dachfläche limitiert.

Wird mit den Varianten 1 und 2 gerechnet, so kann alternativ auch der Gesamtenergiedurchlassgrad von vertikalen Verglasungen in Abhängigkeit des Glasanteils gemäss Ziff. 5.2.4 bestimmt werden. Dies kommt Dachflächenfenstern mit tiefem g-Wert (inkl. Verschattung) entgegen.

 

201.2 Betriebskonzept: Welche Elemente enthält üblicherweise ein Betriebskonzept?

 

Siehe entsprechendes Hilfstool und Bemerkung oben unter «Generell»

 

204.2 Naturgefahren und Erdbebensicherheit: Wie geht SNBS mit dem Fall um, wonach aufgrund der Gefahrenkarte Massnahmen verlangt werden, ein entsprechendes Gutachten durch eine ausgewiesene Fachperson dies nicht für nötig hält.

 

Falls das Gutachten schlüssig ist, d.h. die Argumente nachvollziehbar sind, kann dem Vorschlag des Experten gefolgt werden.

 

 

205.1 Erreichbarkeit: Wird ein geplanter Ausbau des ÖV antizipiert und für eine Zertifizierung angerechnet?

 

Ja, sofern klare Entscheide und entsprechende Nachweise vorhanden sind.

 

205.1 Erreichbarkeit: Gelten Bahnhofe mit Anschluss an Fernverkehrszüge zu Stosszeiten (z.B. Altstetten, Oerlikon) als Hauptbahnhöfe?

 

Ja, solche Bahnhöfe gelten als Hauptbahnhöfe. Weiterführende Hinweise siehe überarbeitete Messgrösse 205.1 in SNBS 2.1.

 

205.1 Erreichbarkeit: Sollte nicht die ÖV-Güteklasse E als genügend akzeptiert werden, um Objekte auf dem Land nicht zu diskrimieren?

 

Dies ist nicht vorgesehen.

 

Siehe dazu Grundsatz 2.

 

301.1 PE Betrieb: Ist die Anrechenbarkeit einer PV-Anlage nach SIA2040 möglich?

 

Wenn der Nachweis nach SIA 2040 geführt wird, entspricht die Anrechenbarkeit auch jener aus der SIA 2040. Das jeweilige Nachweisverfahren muss konsequent umgesetzt und darf nicht vermischt werden.

 

301.1 PE Betrieb: Muss die Umweltenergie analog SNBS 1.0 auch eingerechnet werden?

 

Nein, die Handhabung ist analog Minergie. Umweltenergie und Prozess-Abwärme muss nur eingerechnet werden, wenn diese direkt verwendet werden. Z.B. müssen Wärmequellen einer WP nicht eingerechnet werden.

 

301.1 PE Betrieb: Wie muss die Wahl des Stromes nachgewiesen werden?


Die Zusammensetzung des verwendeten Stromproduktes muss in Bezug auf die Produktion nachgewiesen werden. Vorgaben der vorgegebenen Stromprodukte veröffentlichen, damit die korrekte Wahl getroffen werden kann.

 

303.2 Ressourcenschonung und Verfügbarkeit: RC-Beton eignet sich nicht für jede Anwendung. In welchem Fall kann darauf verzichtet werden?

 

Es gelten die Ausnahmen gemäss Kriterienbeschrieb.

 

304.2 Energiemonitoring: Welche Elemente enthält üblicherweise ein Energiemonitoring?

 

Wir verweisen auf die ausführliche Dokumentation von Minergie: „Monitoring: Messen, Visualisieren, Bewerten, Optimieren“.

 

304.3 Abfallentsorgung und Anlieferungsbedingungen: Muss ein Abfallentsorgungskonzept erstellt und umgesetzt werden, wenn dies durch die Gemeinde in der Nähe gelöst wird?

 

Ist eine Sammelstelle der Gemeinde in Gehdistanz zum Gebäude, dann muss dies nachgewiesen werden. Weitere Abfallentsorgungsmassnahmen müssen dann nicht umgesetzt werden. Der Punkt gilt dann als erfüllt und kann angerechnet werden.

 

305.1 Mobilitätskonzept: Die behördlichen Anforderungen an die Zahl der Autoabstellplätze liegt über der VSS-Norm. Ist eine Zertifizierung nun nicht möglich?

 

Es wird geprüft, wie viele Punkte mit weiteren Massnahmen (Mobilitätskonzept, Veloabstellplätze) erreicht werden können. Mit entsprechenden Bemühungen und der behördlichen Bewilligung für die Abstellplätze wird die Note 4 vergeben.

 

305.1 Mobilitätskonzept: Bei einer Erneuerung besteht nicht genügend Platz, um die erforderliche Zahl der Veloabstellplätze zu realisieren. Ist das Gebäude deshalb nicht zertifizierungsfähig

 

Gibt es keinen Platz im Aussenraum, so soll auch geprüft werden, ob Autoabstellplätze umgenutzt werden können. Ist dies nicht möglich, so wird im Sinne der Verhältnismässigkeit beurteilt.

 

305.1 Mobilitätskonzept: Müssen die Parkplätze für Motorfahrräder voll angerechnet werden?

 

Korrekt. Dies entspricht der aktuellen Praxis.

 

305.1 Mobilitätskonzept: Wenn sich in unmittelbarer Nähe ein Parkhaus befindet, darf ich dann keine eigenen Besucherparkplätze zur Verfügung stellen?

 

Korrekt. Dies entspricht der aktuellen Praxis.

 

306.2 Versickerung und Retention: Ist es möglich, bei der Erneuerung auf eine Retention zu verzichten?

 

Falls zur Erreichung der Note 4 unverhältnismässige Investitionen getätigt werden müssten, ist eine ungenügende Note erlaubt. Als unverhältnismässig gelten Massnahmen, welche entweder zu Mietzinserhöhungen führen oder ansonsten eine adäquate Rentabilität der Liegenschaft in Frage stellen würden.